Interview mit Martha Wicki

 

 

Im Jahr 2017 feiern wir das 100 jährige Bestehen der Frauengemeinschaft Giswil und da du ja auch einmal Präsidentin der Frauengemeinschaft warst, möchten wir mit dir gerne ein Interview machen.

 

 

In welchen Jahren warst du Präsidentin der Frauengemeinschaft?

Ich war Präsidentin von 1982-1991 und war die Nachfolgerin von Alice Rossacher. Ich bin nach einem Jahr im Vorstand als

Präsidentin gewählt worden.

 

 

Fühltest du dich sofort wohl in deiner Rolle?

Ich hatte zuerst Bedenken, ob ich es schaffe, den Verein nach aussen zu vertreten. Ich machte einen Kurs im

Schwarzenberg und nach einem halben Jahr fühlte ich mich sehr wohl im Verein. Ich hatte sehr gute Vorstandsfrauen, alle arbeiteten engagiert mit.

 

Welches waren deine Aufgaben?

  • Sitzungen leiten
  • GV organisieren
  • Verein nach aussen vertreten
  • Schauen, dass alles funktioniert

 

Wie hast du Sitzungen geleitet?

Ich hatte klare Strukturen. Sitzungsbeginn war um 20.00 Uhr. Ich führte die Sitzung und der Präses respektierte das.

 

Welche Angebote hatte damals die Frauengemeinschaft?

  • Seniorennachmittage (Jassen mit 70 bis 80 Personen im Singsaal)
  • Krankenhausbesuche (fällt heute wegen Datenschutz weg)
  • 3 mal Pro Jahr Altersheimbesuche in Sarnen, da Giswil noch kein Altersheim hatte
  • Nachbarschaftshilfe (übernimmt heute die Spitex)
  • Kurse durchführen (z.B. Rhetorikkurs, Fotokurs, Weindegustation, Männerkochkurse, Hosennähkurse, Bauermalerei usw.)
  • Altersfasnacht (mit ca. 150 Personen)
  • Ausflüge (jeweils etwa 2 Cars voll)
  • Gottesdienste am Mittwoch und Maiandachten

Welchen Stellenwert hatte damals die Frauengemeinschaft?

Die Frauengemeinschaft war wichtig im Dorf und hatte einen hohen Stellenwert.

 

Was denkst du, welchen Stellenwert die Frauengemeinschaft heute hat?

Ich denke, er ist immer noch wichtig, aber die Frauengemeinschaft ist mehr institutionalisiert.

 

Du hast ja in diesen vielen Jahren sicher einiges erlebt. Gibt es etwas, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, etwas habe ich erlebt, dass ich sicher erzählen darf, ohne dass diejenige Person, die es betrifft, böse wird.

Kaum nach meinem Antritt als Präsidentin hatte Willi Gasser, unser damaliger Pfarrer, die Idee, ein Seniorenchörli auf die Beine zu stellen. Ich fand es eine gute Idee und fragte, wer das Chörli wohl leiten würde? Willi Gasser meinte, er übernehme das und begleite die Lieder mit seiner Gitarre. Als die erste Probe war, ging ich zur Betagtensiedlung, um die Leute zu begrüssen. Etwa 25 Personen waren da, aber kein Pfarrer und keine Gitarre. Es blieb mir nichts anders übrig, als mit den Leuten selber zu singen. Ich konnte sie ja nicht wieder nach Hause schicken. Irgendwie haben wir diesen Nachmittag geschafft. Auf meine Nachfrage, wo Willi

an diesem Nachmittag war, bekam ich die Antwort, er sei über Wilen nach Sarnen gewandert. Schliesslich war es ja sein freier Nachmittag! Und ich habe das Seniorenchörli nachher über 20 Jahre lang geleitet. So bin ich unfreiwillig zu einer Arbeit gekommen, die mir schlussendlich viel Freude gemacht hat.

 

Kannst du in kurzen Worten einen Rückblick auf deine Präsidentinnenzeit geben?

Es war für mich eine sehr reiche, intensive Zeit und ich habe gute Erfahrungen gemacht und viel gelernt dabei.

 

Gibst du uns einen Rat mit auf den Weg?

Schaut für einen guten Zusammenhalt und Harmonie im Vorstand.

 

Herzlichen Dank Martha für deine Ausführungen und alles Gute für deine Zukunft.

Ruth Blum und Sylvia Wolf